Windows 8 und VS 11 Community Previews

Das war ja mal ein Monat Februar! Erst der Launch-Day von Denali und dann die neuen Vorversionen von Windows 8, Windows Server 8 und Visual Studio 11. Das alles jetzt zu bewerten, ist einfach noch nicht komplett möglich. Beginnen wollen wir trotzdem. Wir werden das VS unter Windows 8 in einer virtuellen Maschine begutachten.

Erstmal hier einleitend der Screen-Cast für die eiligen Zeitgenossen :-).

Einleitung

Im folgenden werden wir mit den von unserem MSDN-Account bezogenen Versionen von Windows und VS arbeiten. Ein großer Unterschied zu den klassischen Bezugsquellen ist, dass wir mit der Ultimate-Version des VS experimentieren. Wer also Features nicht bei sich findet, der sei hiermit darauf hingewiesen.

Die Installation von VS 11 selbst ist – gelinde gesagt – ein Kinderspiel, wie die folgenden Screenshots zeigen:

Abb. 1: VS 11 Installation #1
Abb. 2: VS 11 Installation #2

Nach ein paar Minuten war das auch schon erledigt. Die Eckdaten meiner virtuellen Maschine lauten:

  • VMWare Workstation 8
  • 2 CPU mit je 2 Kernen
  • 4096 MB RAM
  • 60 GB HDD

Installiert habe ich direkt auf der Windows 8-Installation (frisch), die ich mit einem Live-ID-Account verbunden hatte.

Startmenu her!

Als erstes kommt schnell der Wunsch auf, endlich wieder ein „normales“ Startmenu zu besitzen. Nach einer kurzen Suche wurde ich auf diesem Link fündig. Ein kleines .NET-Tool, das lediglich die Registry-Hacks vornimmt. Also habe ich das ZIP herunter geladen und die darin enthaltene EXE-Datei auf meinen Win-8-Desktop geschoben. Kaum führe ich die EXE aus, erscheinen auch schon der folgende Dialog:

Abb. 3: .NET-Vorschlag unter Windows 8

Also das ist ja mal echt eine Erleichterung! Nach kurzem Download ist das Framework 3.5 auf der Maschine und man kann das Tool ausführen. Warum der Meister natürlich ausgerechnet 3.5 und nicht 4 für sein Programm nutzt, ist mir ein wenig schleierhaft, aber seis drum. Das Tool stellt das Startmenu um und dann muss man den Rechner neu starten. Gar nicht so einfach, ohne Startmenu :-).

Wer nicht so recht weiß, wie er ein Metro-Windows neu starten soll:

  • Mauszeiger eine kleine Weile oben rechts oder unten links stehen lassen.
  • Auswahl von „Settings“ (Zahnrad)
  • „Power“ -> „Restart“

Übrigens: Bei meiner Windows-Version half das alles nichts. Kein Startmenu und weiterhin Metro-Style :-(. Wer weiß!

Damit man nun trotzdem nicht jedes Mal in den Metro-Style wechseln muss, um das VS zu starten, kann man es einmal in Metro mit rechts anklicken und dann unten „Pin to Taskbar“ wählen. Dann hat man es wenigstens im schnellen Zugriff.

Das neue UI

Jetzt aber schnell das VS gestartet. Neben der üblichen Frage nach den bevorzugten Einstellungen (C# natürlich) kann man nun hier anklicken, wieviel lokale Hilfe man installieren möchte. „Minimal“ ist eingestellt, „None“ habe ich gewählt. Nach einigem „Nachdenken“ präsentiert sich dann endlich Visual Studio 11:

Abb. 5: Visual Studio 11

Ich werde hier erstmal nur auf die ersten augenfälligen Änderungen eingehen. Näheres folgt, wenn ich selbst mehr damit gearbeitet habe.

Projekttypen

Hier eine Liste der von mir gefundenen Projekttypen für C# in der Reihenfolge in „New Projekt“ im Strukturbaum „Visual C#“:

  • Blank Application
  • Grid Application
  • Split Application
  • Windows Forms Application
  • WPF Application
  • Console Application
  • ASP.NET Web Forms Application
  • Class Library (Windows)
  • Class Library (Metro)
  • Portable Class Library
  • Unit Test Library
  • ASP.NET MVC3 Web Application
  • ASP.NET MVC4 Web Application
  • Silverlight Application
  • Silverlight Class Library
  • Silverlight Business Application
  • WCF RIA Services Class Library
  • WCF Service Application
  • ASP.NET Dynamic Data Entities Web Application
  • Excel 2o10 Workbook
  • Outlook 2010 AddIn
  • Word 2010 Document
  • Activity Library
  • WCF Workflow Service Application

Gemeinsam mit einem Link für den Azure SDK-Download macht das 25 Template-Einträge.

Das UI

Was springt denn UI-seitig am VS ins Auge? Zunächst einmal ist nun alles grau in grau und die Symbole sind monochrom gehalten. Einige AddIns sind da noch nicht ganz nachgezogen und zeigen weiterhin bunte Icons, aber das wird sicher noch kommen. Für alle, die sich für diesen Style interessieren ist das noun project eine gute Adresse.

Funktional hat sich sehr viel Wichtigeres getan.

Quick Launch

Abb. 7: Quick Launch

QuickLaunch gibt uns nun endlich die Möglichkeit, in den teilweise sehr unübersichtlich gewordenen Menus schnell die Funktionalität zu finden, die wir suchen. Dabei wird sowohl nach den Befehlen selbst, als auch nach z.B. Einstellungen innerhalb der Optionen, in offenen Dokumenten und in der MRU-Liste gesucht. Einfach tippen und die Ergebnis-Liste durchsuchen. Man sollte nur aufpassen, Quick Launch nicht mit der Suche in Projekten zu verwechseln, die der neue Solution Explorer anbietet.

Solution Explorer

Wer die Productivity Power Tools bereits unter VS 2010 eingesetzt hat, wird sich schnell mit dem neuen Solution Explorer anfreunden. Dieser geht aber noch ein Stück weiter.

Abb. 8: Solution Explorer mit Suche

Gibt man in der Suchleiste oberhalb des Projektbaums eine Zeichenfolge ein, wird in allen Dateinamen der Solution nach dem Vorkommen dieses Textes gesucht. Noch viel besser aber gefällt die Möglichkeit, mehrere Solution Explorer gleichzeitig zu öffnen. Klickt man z.B. auf einen Projektordner kann man ihn als neues Root-Element eines neuen Solution Explorers definieren:

Abb. 9: Mehrere Solution Explorer

Im Beispiel wurde der untere Solution Explorer so eingerichtet, dass er den Ordner „Models“ einer MVC 4 Anwendung als Root-Ordner hält. In unseren Tests wurde diese Einstellung allerdings nicht mit der Solution gespeichert. Das wäre natürlich wünschenswert und wird vielleicht beim Release enthalten sein.

Der Solution Explorer erlaubt außerdem das direkte Einsehen von Klassen (es klappen Eigenschaften, Methoden usw. unterhalb der Klassen-Dateien auf). Ebenfalls schön gemacht ist die Historie des Solution Explorers, mit der man die einzelnen Steps rückgängig machen und wiederholen kann.

Team Explorer

Der Team Explorer wurde komplett überarbeitet. Er erlaubt nun eine direkte Suche in den TFS-Inhalten. Es wird auf die alten Tab-Ansichten verzichtet und man bekommt somit einen direkten Blick auf alle Änderungen bzw. anstehenden Aufgaben in einer Sicht. Super!

Abb. 10: Team Explorer Startscreen

Allein die Übersicht der ausstehenden Änderungen ist inzwischen ein echter Augenschmauß geworden:

Abb. 11: Pending Changes im Team Explorer

Für eine wirkliche Beurteilung der TFS-Funktionen ist es aber aus verschiedenen Gründen noch zu früh. Erstens muss man sich hier erfahrungsgemäß eine Weile produktiv beschäftigen, um kleine Macken etc. zu entdecken und zweitens fehlt uns noch ein echter TFS 11 als Gegenstelle und somit sind nicht alle Funktionen im Explorer hinterlegt.

Ein letztes Spotlight: Page Inspector

Wie an immer mehr Stellen im VS erkennbar wird, steht die Web-Entwicklung defintiv in einem Fokus bei Micrsoft. Dementsprechend wurden natürlich hier grundlegende Neuerungen erzeugt. Richtig cool ist der Page Inspector. Man klickt rechts auf eine Web-Datei (auch cshtml) und wählt „View in Page Inspector“. Beim ersten Mal innerhalb eines Projektes muss man eine Sicherheitsabfrage abnicken, weil in der web.config Einstellungen nötig sind. Dann aber:

Abb. 12: Page Inspector in Aktion

Wenn man sich Abb. 12 einmal genauer ansieht, wird man schnell feststellen, welche Revolution im Bereich Web-Programmierung hier lauert. MVC-basierte Entwicklung mit VS war schon in Version 2010 echt komfortabel. Der Page-Inspector gibt uns nun aber Live-Coding im VS inkl. von Funktionen, die wir sonst nur aus Firebug kannten. Endlich kann man wirklich produktiv werden. In Verbindung mit Multi-Moni-Support kommen da echt rosige Zeiten auf meinen 3-Screen-Arbeitsplatz zu!!!

Was sonst

Es ist soviel weiteres kleines Zeug neu hinzu gekommen, dass hier erstmal nur eine nicht auf Vollständigkeit pochende Liste reichen muss:

  • IIS Express ist standardmäßig als Laufzeitumgebung für Web-Projekte eingestellt
  • Das Erstellen kann sofort unterbrochen werden und während des Erstellens kann man das Studio komplett weiter benutzen.
  • Die Standard-Suche ähnelt nun der in den Power-Tools und ist sehr viel platzsparender.
  • Eigener Options-Bereich für das Fenster-Tabbing
  • Fenster können nun in sog. „Rafts“ gedockt und auf mehrer Monitore verteilt werden.
  • Neue Code-Unterstützung für JavaScript inkl. GoTo-Definition usw.
  • Neuer Tabellen-Designer für SQL Server
  • Direkte Angabe des Debugging-Browsers bei Web-Projekten in Toolbar

Wer sich hier genauer einlesen möchte, dem sei dieser Link empfohlen.

Die Tools

Da ich ja nun kein Startmenü habe, behelfe ich mir wie folgt, um die kompletten VS-Links in Metro angezeigt zu bekommen:

  1. Drücken der Windows-Taste.
  2. Rechtsklick auf freien Bereich des Metro-Startscreens.
  3. Unten links auf „All Apps“ klicken.
  4. Nach rechts scrollen, bis die Gruppe „Microsoft Visual Studio 11“ zu sehen ist

    Abb. 13: Visual Studio Startmenü-Ordner

Wie man ganz gut erkennen, kann, ist die Grundstruktur immer noch die gleiche. Einigermaßen interessant dürfte die ARM-Konsole sein, wenn es auch nich mehr überraschend kommt. Microsoft möchte ja zukünftig auch diese auf Mobilgeräten weit verbreitete Prozessor-Architektur besser integrieren.

Kompatibilität zu VS 2010

Eine gute Nachricht: Die Projekte werden komplett im VS2010-Format gelesen und geschrieben und sind danach auch im VS 2010 editierbar. Es wird also nicht die gleiche Upgrade-Welle kommen, wie beim Wechsel zwischen VS2008 und 2010.

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